Kritiken

Das Hören wird beim Konzert zur Meditation

Kammersinfonie Stuttgart gastiert in der Sigmaringer Stadthalle

Die Kammersinfonie Stuttgart gibt in der Stadthalle ein mitreißendes Konzert.
Die Kammersinfonie Stuttgart gibt in der Stadthalle ein mitreißendes Konzert.
Vera Romeu

Sigmaringen sz Die Besucher des Konzerts der Kammersinfonie Stuttgart unter der künstlerischen Leitung von Daniel Rehfeld haben einen außergewöhnlichen Abend genossen. Rehfeld hatte mit der Programmdramaturgie einen Spaziergang durch unterschiedliche Klangkulturen gestaltet. Das Musizieren war so schön, dass in der Stadthalle eine sehr hohe Intensität des Hörens entstand. Die Zuhörer waren von den ersten bis zu den letzten Takten wie gebannt.

 

Im ersten Teil des Konzerts schien die Zeit aufgehoben zu sein: Weite Landschaften entfalteten sich vor dem inneren Auge des Zuhörers, die große Stille des Nordens machte sich breit. Edvard Griegs Musik war mit solcher Transparenz und kristalliner Gestaltung gespielt, dass sie die Zuhörer in Staunen versetzte. Von dieser Musik ging ein intensiver Zauber aus. Die zwei Melodien „Norwegisch“ und „Erste Begegnung“ Opus 53 sowie zwei „Nordische Weisen“ Opus 63 erzählten von der Melancholie der Einsamkeit und von den lebhaften Freuden ländlicher Genüsse.

 

 

Das Stuttgarter Ensemble ist ein wunderbarer Klangkörper. Rehfeld leitet es und spielt die erste Violine. Sensibel und souverän kontrollieren die Musiker das Volumen. Sie spielen bis zur Grenze der Hörbarkeit und lassen die Spannung der Verdichtung wirken. Man kann sich dieser Intensität nicht entziehen, Hören wird zur Meditation. Der Klang scheint den Rest der Welt zu verdrängen. Nichts mehr stört, nichts mehr lenkt ab, Klang pur macht sich in Körper und Seele breit. Man fühlt sich von der Schwere enthoben und ist nur noch Ohr.

 

 

Rehfeld vermittelt seine Klangvorstellung, das Ensemble folgt ihm in jedem Atemzug. Virtuosität und Eleganz prägen diesen filigranen Klang. Die Phrasierung atmet die Intelligenz der großen Musikalität und vermittelt ihre Tiefe.

 

 

Als Solist ist Rehfeld brillant und erhaben. Die „Romanze in G-Dur“, die er mit dem Ensemble bot, war voller Romantik und Inbrunst. Filigran und detailreich, glanzvoll und subtil entwickelte sich das Lied. Ein klopfendes Herz schlug dunkel in das helle Singen hinein. Rehfeld vermittelte Emotion in reinster Form.

 

Festliches Finale

 

Mit Gustavs Holsts „St. Paul Suite“ kam tänzerische Dynamik in den Saal. Der Komponist hat irische und schottische Rhythmen und Klangfarben in das Stück hinein komponiert, die von den Streichern genüsslich entwickelt wurden. Der lebhafte „Jig“ des ersten Satzes war vollmundig und mitreißend, das „Intermezzo“ hatte einen lyrischen Impetus und das „Finale“ entfaltete eine pralle Festlichkeit.

 

 

Die argentinische Welt des Komponisten Alberto Williams führte die Zuhörer in eine Welt von großer Sinnlichkeit. In der Argentinischen Suite zeigte sich die mit Energie aufgeladene Klangfülle des Ensembles. Atemberaubende Tempi ließen die Transparenz nicht verschwimmen. Aufbrausend und dramatisch wölbte sich der Klang und wurde zur eindringlichen Emotion.

 

 

Mit Benjamin Brittens „Simple Symphony op. 4“ boten die Streicher einen zeitgenössischen Klassiker. Natürlich betörte der zweite Satz „Playful Pizzicato“ mit seinem perlenden, pochenden, klopfenden Klängen, denen es nicht an feinem Humor fehlte. Die stringente Interpretation der vier Sätze war ein großer Wurf, der in einem souverän gesetzten Schlussakkord kulminierte. Der begeisterte Applaus würdigte das Erlebte und zollte den Musikern größten Respekt.

 

 

Musikalischer Leckerbissen zum Jahresbeginn


06.01.2015
Einen musikalischen Leckerbissen hielt das Kulturprogramm der Stadt Olpe am Sonntag in der Stadthalle bereit. Zum ersten Mal gastierte die Kammersinfonie Stuttgart unter Leitung des Soloviolinisten Daniel Rehfeldt in Olpes guter Stube.

Bürgermeister Horst Müller wünschte den zahlreichen Gästen ein gutes, neues Jahr, verbunden mit dem Wunsch von Katastrophen weitgehend verschont zu bleiben. Das Stadtoberhaupt machte deutlich, dass die Stadt Olpe, insbesondere die Mitarbeiter des Kulturamtes, stolz seien das hochkarätige Ensemble verpflichtet zu haben. In diesem Zusammenhang sagte Bürgermeister Müller: „Eine Stadt bekommt ihr Gesicht durch die Häuser, Straßen, Wege und Plätze, aber ihre Seele erhält eine Stadt durch das Engagement für die Kultur.“ Simple SymphonieIm Anschluss servierte die Kammersinfonie zum Auftakt ihres anspruchsvollen Programms auf höchstem Niveau spielten die Musiker zur „Simple Symphonie“ von Benjamin Britten auf. Das Werk für Streichorchester wurde ursprünglich für Schulorchester geschrieben und 1934 von einem Laienorchester aufgeführt, das der Komponist selbst dirigierte. Die Sinfonie für Streichorchester wurde als op. 4 in das Gesamtwerk von Benjamin Britten aufgenommen. Bei der Komposition verwendete Britten einige Kompositionen, die er schon in seiner Kindheit komponiert hatte. Es war ein klangvoller Konzertbeginn, bei dem die Musiker die spielerische Kreativität des Komponisten ebenso brillant wiedergaben, wie die ausgefeilte Technik. Im Anschluss an den Sinfoniesatz des bekannten Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy erwartete das Auditorium ein Klavierkonzert der Extraklasse. Mozarts KlavierkonzertDer europaweit bekannte Pianist Christoph Soldan, der seinen Durchbruch mit einer gemeinsamen Tournee im Jahr 1989 mit Leonard Bernstein erlebte, bescherte den Freunden der klassischen Musik mit dem Klavierkonzert Es-Dur KV 449 von Wolfgang Amadeus Mozart in drei Sätzen ein weiteres Highlight. Die Besonderheit des Hauptsatzes „Allegro Vivace“ ist die Mischung verschiedener Themengruppen und der überraschende Einsatz des Seitensatzes in c-Moll, die perfekt intoniert wurden. Im zweiten ergreifenden Satz dem „Andantino“ strahlte Christoph Soldan mit der vom Komponisten gewünschten emotionalenTiefe und Ausdruckskraft. Das Werk endete mit einem freudigen Finale. Das Publikum dankte mit großem Beifall. Weitere große Komponisten des Neujahrskonzerts, das alle zwei Jahre stattfindet, waren Georges Bizet, Peter I. Tschaikowski und Gustav Holst.
Nicole Voss

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Ein virtuoser Auftakt

Herrenberg: Konzert der Kammersinfonie Stuttgart

Nach ihrer Konzertreise nach Korea kamen die zwölf Musiker der Kammersinfonie Stuttgart zu einem Abstecher nach Herrenberg, um hier in etwa das Tourneeprogramm noch einmal zu spielen. Die Werke von Mendelssohn, Tschaikowsky, Bizet, Strawinsky und Du-Nam Cho stießen auf großes Interesse bei den Hörern, die zum Auftakt der neuen Saison ins Studio gekommen waren.

Der Abend begann mit der letzten der frühen Streichersinfonien von Mendelssohn: Das c-Moll-Werk besteht nur aus einem Satz. Die Tonart, die tiefen musikalischen Gedanken und das virtuose Fugenwerk zeigten die besondere Begabung des gerade Vierzehnjährigen. Die Orchestersätze der neunteiligen Pulcinella-Suite von Igor Strawinsky hat der Leiter der Kammersinfonie, Daniel Rehfeldt, selbst für eine reine Streicherbesetzung arrangiert. Die graziös verspielte Ballettmusik für eine Bühnenhandlung im Stile der Commedia dell arte bringt die Helden des neapolitanischen Volkstheaters in Szene. Man erlebte hier sogar die europäische Erstaufführung dieser Fassung, die Uraufführung hatte in Asien stattgefunden.

Ein besonderes Werk ist Tschaikowskys "Souvenir dun lieu cher" op. 42 (Erinnerungen an einen lieben Ort), geschrieben im Original für Violine und Klavier. Der Komponist war damals in der Schweiz und lebte relativ sorgenlos und glücklich. Hier hörte man zwei Sätze in der Fassung für Violine und Streichorchester: die emotionale Méditation und das temporeiche Scherzo. Aus der gleichen Zeit stammte auch die Streicherserenade op. 48, von der man hier den dritten Satz, die "Elégie" hörte. Eine Bearbeitung waren auch einige Sätze der Arlesienne-Suite von Georges Bizet in einer Streicher-Fassung.  Die provenzialische Musik mit dem feierlichen Präludio und der leidenschaftlichen Farandole schuf viel Atmosphäre.

Man staunt immer wieder, wie sehr man in Asien an der europäischen Musik interessiert ist und wie wenig wir über die asiatische Musik wissen. Das hier vorgetragene Bootslied von Du-Nam Cho gab sich sehr stimmungsvoll. Auch wenn man über den Inhalt nichts erfuhr, so spürte man doch die wogenden Wellenbewegungen und die besondere Atmosphäre. Der koreanische Tenor sang es schön und kräftig, die Stimme einschätzen konnte man dann aber erst in dem Ohrwurm "O Sole Mio" von Eduardo di Capua. Hier zeigte der Solist viel Substanz und operntaugliche Qualitäten.

Intensiver Eindruck

Die Kammersinfonie Stuttgart hinterließ einen sehr intensiven Eindruck. Die zwölf Musikerinnen und Musiker verband ein ungemein präzises Zusammenspiel: hier wurde alles spannungsvoll in Glut und Wärme getaucht. Daniel Rehfeldt, der als Konzertmeister vom ersten Pult aus führt, hat die Partituren auf alle Schwierigkeiten hin abgeklopft und den Spielern absolute technische Beherrschung verordnet. Diese Perfektion war auffallend und bewundernswert. Das ging bis hinunter zum Bass, der sich technisch als besonders flexibel gab.

Als Zugabe dann Astor Piazzollas "Calambre" in Streicherfassung: Hier gab es eine Welle der Faszination.

Hymnischer Auftakt

Einen gleich fulminanten Auftakt feierten die Kreuzgangkonzerte 2009 im Alpirsbacher Klang-Elysium: Mit Bach, Mozart und Vivaldie "Jahreszeiten" ein ausgesuchtes akkustisches Wohllaut-Bad.

 

... Krönung, festlicher Ausklang des Abends dann die unverwüstlichen "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi, ein Werk wie aus einem Weltkulturerbe der Musikgeschichte gegriffen.

Daniel Rehfeldt, ein weiterer junger Solist der neuen Garde, der sich gleichwohl der historischen Aufführungspraxis verschrieben hat, unternahm diese furiose Tour de Force durch die "Four Seasons". Und selten werden Vergleiche zwischen Live- und künstlicher Wiedergabe so prögnant wie bei Vivaldis kosmopolitischer Weltnatur Komposition. Rehfeldt und sein Ensemble interpretierten das Werk farbig-gehaltvoll, ohne wild-aufbrausende Fahrigkeit, in magisch-verhaltener Tempotreue. Wenn das Werk von lastender Schwüle zur wahren Gewitter-Furien explodiert, vom zarten Geigen-Seufzen zum lautmalerisch Aufgeladenen changiert, war dieses Wechselbad sorgsam arrangiert und zweckvoll ausgestaltet. Orchester und Solist vermittelten die Szenenfolge wie aus einem Guss. Und Rehfeldt ließ das zarteste Pianissimo erklingen das jemals Schmetterlingshauch-gleich durch das Maßwerk geweht ist. Es war dieser direkte, unmittelbare Werkstattcharakter, der Vivaldis groártigem Zeiten-Panorama seine spektakuläre Note verlieh. Grosser begeisterter Applaus am Schluss.

 

 

SÜD-WEST PRESSE 25. Juni 2009

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Aktuelles

28.04.2018 Tuttlingen

 

Konzert in der Stadthalle Tuttlingen

Mendelssohn, Mozart, Suk

Leitung: Daniel Rehfeldt

Violine: Alban Beikircher

Klavier: Christoph Soldan

 

 

Unsere nächsten Termine

12. Mai 2018 Stuttgart

 

Schloßkonzert - Mozartnacht